Anekdoten 6

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Sauerkraut un Schmusel

von Mariechen Zech (Jahrgang 1925)




Die Eigenherstellung von Sauerkraut

Sauerkraut ist immer noch ein beliebtes und wohlschmeckendes Nahrungsmittel. In früheren Jahren hatte auf dem Lande fast jede Familie ein Stück Anbaufläche oder einen Garten, wo sie Gemüse, vor allem Weißkraut, anpflanzten. Hier in Biskirchen waren entlang des Mühlgrabens eigens hierfür die sogenannten Pflanzenbeete angelegt.



Im Herbst, wenn die Krautköpfe ausgewachsen waren, wurden sie geerntet und zu Hause zu Sauerkraut verarbeitet. Zunächst musste der Steinguttopf oder die Holzbütte, in denen das Sauerkraut haltbar gelagert wurde, gereinigt werden. Dann kamen diese Gefäße an ihren Bestimmungsort, meistens in den kühlen Keller wieder zurück. Im Dorf gab es einige Personen, die einen Krauthobel besaßen und damit nach Terminabsprache bei den Familien gegen Bezahlung Kraut einschnitten.

Bei uns zu Hause war es so, dass meine Mutter den hölzernen Backtrog herbei holte, über welchen man nun den Krauthobel legte. Die Arbeit konnte beginnen. Es wurden mitunter mehrere Körbe voll Kraut geschnitten. Das so zerkleinerte Kraut wurde  aus dem Backtrog herausgeholt und dann in die vorbereiteten Gefäße gegeben, vorschriftsmäßig eingestampft und gesalzen. Dabei pflegte meine Mutter immer zu sagen: Denke immer daran, wenn du das Kraut einsalzt:


Das Kraut sagt, salz mich leis,

das Fleisch sagt, salz mich weiß



Das Sauerkraut einstampfen geschah folgendermaßen:

Auf den Boden des Steinguttopfes bzw. der Holzbütte zuerst ein kleines „Putchen“ Salz streuen. Also so viel wie eine Kinderhand fassen kann. Dann mehrere Hände voll Kraut, und danach wieder Salz. Und immer alles mit den Fäusten ganz fest eindrücken. Dieses wiederholte sich, bis das gesamte Kraut im Topf war. Das Kraut musste von dem Krautwasser bedeckt sein. Dann war es richtig eingestampft. Nun wurde es mit einem weißen Leinentuch abgedeckt. Darauf kam ein großer Schieferstein oder ein Holzbrett. (Zwei passgenaue halbrunde Bretter). Diese wurden mit einem dicken rundlichen Basaltstein beschwert. Obenauf kam nochmals ein weißes Tuch und fertig waren die Vorbereitungen für die Herstellung von Sauerkraut. Die Sauerkrautgefäße und die verwendeten Tücher mussten alle acht Tage mit klarem Wasser abgewaschen werden.



Mit Füßen getreten

Zum Schmunzeln aber wahr ist die Begebenheit eines Jungen aus Biskirchen. Er wurde eines Tages von einer Nachbarin angesprochen und gebeten, er möchte ihr mit seinen Füßen ihr Kraut in den Steinguttopf einstampfen. Er verneinte zuerst. Als sie ihm ein Geschenk versprach, zog er Schuhe und Strümpfe aus und stampfte das Kraut ganz feste in den Steinguttopf hinein. Die Belohnung war ein aufgesetzter Johannisbeerschnaps. Zunächst wollte er ihn nicht trinken. Aber sie bettelte so lange, bis er seine „Belohnung“ mit Widerwillen  doch trank.



Die Resteverwertung des Sauerkrauts:  Schmusel

Schmusel ist ein sehr altes, schmackhaftes und billiges Gericht. Es gehört zu einem meiner Lieblingsgerichte von Kindheit an. Hatte meine Mutter an einem Wochentag Sauerkraut gekocht, dann wusste ich mit Bestimmtheit, dass es am nächsten Tag Schmusel vom übrig gebliebenen Sauerkraut gab. Unsere Großeltern sagten früher auch scherzhaft zu Schmusel: Wir kochen heute Struh un Loahme. Mit Struh (Stroh) war das Sauerkraut gemeint, und mit Loahme (Lehm) die Kartoffeln.



Was ist Schmusel?

Hier das Rezept für 4 Personen:

600 gr. Kartoffeln (gewürfelt)

1 ½ - 2 Esslöffel Schmalz oder Pflanzenöl

1 dicke Zwiebel (gewürfelt)

Pfeffer, Salz

Der Rest des gekochten Sauerkrauts vom Vortag


Zubereitung:

Schmalz oder Öl in einem Topf schmelzen. Die Zwiebel darin glasig werden lassen.

Die Kartoffeln hinzugeben. Mit Wasser auffüllen und alles 25 Minuten kochen lassen.

Das Sauerkraut zugeben und mit allen Gewürzen wie Salz und Pfeffer abschmecken.

Alles zerstampfen.

Ist es zu dünnflüssig, kann man es mit in kaltem Wasser oder Milch angerührten Mehl etwas binden.

Man reicht dazu gebratene Blut- oder Leberwurst.

Heute kann man das Schmusel noch geschmacklich mit etwas „Fondor“ oder „Maggi‘s gekörnter Brühe“ verfeinern.



Guten Appetit!