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Die Territorialgrenze bei Biskirchen von 1493 – 1866

Historische Grenzsteine beschreiben die Geschichte unserer Heimat

(von Gerd Mathes)

Einleitung

Geht der aufmerksame Spaziergänger oder Wanderer durch die Wälder und Feldfluren unserer Heimat, so trifft er von Fall zu Fall auf historische Grenzsteine, die eine vielseitige Bedeutung haben können. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit Landesgrenzsteinen, von denen es noch einige aus verschiedenen Epochen an den Biskirchener Gemarkungsgrenzen gibt. Matthias Diehl ist in seinem Beitrag „Gedenkstätten und -steine in der Gemarkung Biskirchen“ im Biskirchener Heimatkalender 1991 auch auf die noch vorhandenen Landesgrenzsteine eingegangen.
Zunächst wollen wir jedoch wissen, was Landesgrenzsteine sind und was ihre Bedeutung ist.

Landesgrenzsteine (Hoheitsgrenzsteine)

Die Landesgrenzsteine befinden sich an den Grenzen eines Landes. Im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ war jeder Kleinstaat als selbstständiges Territorium anzusehen, dessen Herrscher reichsunmittelbar war, d.h. direkt unter dem Reichsoberhaupt, dem habsburgischen Kaiser, stand. Auch die Reichsstädte wie Wetzlar und sogar das Kloster Altenberg waren reichsunmittelbar.

Gerade die heutige Region Mittelhessen war gesegnet mit solchen „Ländchen“. Manche derselben waren über Jahrhunderte im Besitz mehrerer Herren, wie z.B. das Amt Löhnberg (Nassau-Weilburg und Nassau-Oranien) oder das Amt Cleeberg (Nassau-Usingen und Hessen-Darmstadt).

Bis 1806 waren diese Grenzen oftmals auch Konfessionsgrenzen. Nach der Reformation im Jahre 1517 gab es in Deutschland katholische und protestantische Gebiete. Auf dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde die Regelung „cuius regio, eius religio“ eingeführt. Dies bedeutete, dass das Bekenntnis eines Landesherrn auch für seine Untertanen verbindlich war. Somit lassen sich auch heute noch die wechselhaften konfessionellen Ausrichtungen in Mittelhessen erklären, wie z.B. Limburg (Kurfürstentum Trier) katholisch geprägt ist, Weilburg (Fürstentum Nassau-Weilburg) evangelisch-lutherisch ausgerichtet ist und Braunfels (Fürstentum Solms-Braunfels) evangelisch- reformiert orientiert ist.

Bevor wir uns mit den früheren Landesgrenzen und den dort vorkommenden historischen Grenzsteinen beschäftigen, müssen wir die Territorialgeschichte unserer Heimat näher betrachten. Dies gilt insbesondere für die Grafschaft Solms und das „Haus Nassau“ im mittelhessischen Raum.

Geschichte der Grafschaft Solms in unserer Heimat

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1129 und betrifft den Edelherrn Marquard zu Solms. Die Familie Solms war westlich von Wetzlar begütert und hatte ihren Sitz ab 1160 in Burgsolms.

Um 1250 teilte sich das Geschlecht in drei Linien:

- Solms-Königsberg, 1363 erloschen, die Güter fielen an Hessen;
- Solms –Burgsolms, 1415 erloschen, das Erbe fiel an Solms-Braunfels;
- Solms-Braunfels, erhielt 1418 einige Besitzungen in der Wetterau, bereits 1420 spaltete sich die Linie         Solms-Lich ab.


Die Grafschaft Solms-Braunfels erhielt 1471 die kaiserliche Befreiung von fremder Gerichtsbarkeit und 1495 das kaiserliche Bergregal. 1555 erfolgte die Einführung der Reformation; zunächst das lutherische Bekenntnis und ab 1582 die reformierte Lehre.

Im Jahr 1602 wird Solms-Braunfels geteilt in die Linien Solms-Greifenstein, Solms-Hungen und Solms- Braunfels. Die Grafschaft Solms-Hungen erlosch 1678 und wurde anschließend von Solms-Braunfels weitergeführt. Nach dem Tod des Grafen Heinrich Trajektin im Jahr 1693 wurde Solms-Braunfels in der Erbfolge von Solms-Greifenstein übernommen. Graf Wilhelm Moritz verließ mit seinem Gefolge die Burg Greifenstein, die in den folgenden Jahrzehnten verfiel, und wechselte seinen Wohnsitz auf die Burg Braunfels. Somit waren die 1602 aufgeteilten Gebiete wiedervereint. Diese Grafschaft erhielt nun wieder den Namen Solms-Braunfels. Biskirchen und seine Nachbargemeinden Allendorf, Bissenberg und Stockhausen gehörten zwischen 1602 und 1693 zur Grafschaft Solms-Greifenstein, während Tiefenbach auch zu dieser Zeit zu Solms-Braunfels gehörte.

Graf Wilhelm Moritz hat seinen bleibenden Platz in der regionalen Geschichte gefunden. Im Jahre 1785 siedelte er die aus Frankreich kommenden protestantischen Glaubensflüchtlinge, die Hugenotten, in Daubhausen und Greifenthal an. Sehenswert ist übrigens das Allianz-Wappen des Grafen Wilhelm Moritz und seiner Gemahlin, der Landgräfin Magdalena Sophia von Hessen- Homburg, welches im Jahre 1714 als Portalschmuck an der Kirche in Tiefenbach angebracht wurde.

Im Jahr 1742 wurde die Grafschaft Solms-Braunfels in den Reichsfürstenstand erhoben.

Die Französische Revolution von 1789 hinterließ auch in unserer Region ihre Spuren. Im Jahr 1803 erfolgte die Aufhebung und Verstaatlichung (Säkularisation) der kirchlichen Staaten und somit auch der Klöster. Solms-Braunfels erhielt das vorher unter dem Schutz des Kurfürsten und Bischofs von Trier stehende Kloster Altenberg mit den dazugehörigen Ländereien.

Das napoleonische Frankreich breitete sich in dieser Zeit immer weiter nach Osten aus und am 6. August 1806 erlosch nach über 800 Jahren das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“. An


diesem Tag legte der habsburgische Kaiser Franz II die deutsche Kaiserkrone nieder und behielt nur noch den österreichischen Thron.

Für unsere Heimat hatte dies erhebliche Auswirkungen. Das Fürstentum Solms-Braunfels wurde mediatisiert, d.h. es verlor seine Reichsunmittelbarkeit vom Kaiser. Der Bereich westlich von Wetzlar (Ämter Braunfels und Greifenstein) wurde dem neugegründeten Herzogtum Nassau zugeteilt und die Besitztümer in der Wetterau (Hungen und Münzenberg) wurden Teile des Großherzogtum Hessen (-Darmstadt).

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde die Landkarte auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 neu gezeichnet.

Die seit 1806 bestehenden nassauischen Ämter Braunfels, Greifenstein und Hohensolms wurden 1816 zum preußischen Kreis Braunfels vereinigt. Außerdem erhielt das Königreich Preußen noch die ehemalige Reichsstadt Wetzlar und das nassauische Amt Atzbach, die zusammen den Kreis Wetzlar bildeten. 1822 erfolgte dann die Vereinigung der beiden Kreise zum neuen und größeren Kreis Wetzlar. Der Kreis Wetzlar gehörte bis zum Jahr 1932 als Exklave zur preußischen Rheinprovinz, bevor er dann der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeordnet wurde.

Geschichte des Hauses Nassau in unserer Region

Dudo-Heinrich von Laurenburg, der im Jahr 1093 erstmals urkundlich erwähnt wird, gilt als Stammvater des Hauses Nassau. Im Jahr 1159 wird die Burg Nassau zum Sitz des Geschlechts, das sich seither nach dieser Burg nannte.

Schon 1255 erfolgt die Teilung des nassauischen Landes in zwei Teile durch die Söhne des Grafen Heinrich II. Walram II erhielt den südlichen und Otto I den nördlichen Teil der Grafschaft. Die Grenze zwischen den beiden neuen Grafschaften war weitestgehend die Lahn. Zum walramischen Teil gehörten im Taunus die Städte Weilburg, Usingen und Idstein, zum ottonischen Gebiet die Städte Siegen, Dillenburg, Herborn und Haiger.

Das Dorf Selters gehörte bis 1806 kontinuierlich zu Nassau-Weilburg, welches 1737 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.

Obershausen gehörte seit der nassauischen Teilung immer zum ottonischen oder auch oranischen Teil Nassaus, dies waren zunächst die Grafschaft Nassau-Dillenburg, sodann bis 1621 die Grafschaft Nassau-Beilstein und anschließend die Grafschaft Nassau-Diez bis zum Jahr 1806.

Niedershausen war bis 1492 Teil der Grafschaft Solms-Braunfels, kam dann zu Nassau-Beilstein und gehörte von 1621 bis 1806 zur Grafschaft Nassau-Diez.

Eine ganz besondere Rolle spielte über mehrere Jahrhunderte hinweg das Amt Löhnberg mit den Orten Löhnberg, Odersbach und Waldhausen. Nach der nassauischen Teilung im Jahr 1255 gehörte das Amt Löhnberg zu Nassau-Oranien. Seit 1404 konnte Nassau-Weilburg 1⁄4 des Gebietes erwerben, die restlichen 3⁄4 verblieben bei Nassau-Oranien. Somit war das Amt Löhnberg über viele Jahrhunderte hinweg zweiherrisch. Erst 1773 konnte das Fürstentum Nassau-Weilburg durch einen Gebietstausch den 3⁄4 -Anteil von Nassau-Oranien erwerben. Dafür erhielt Nassau-Oranien von Nassau-Weilburg die Westerwald-Dörfer Neunkirchen, Hüblingen und Rückershausen.

Somit gehörten ab dem Jahr 1773 Löhnberg und Selters zum walramischen Fürstentum Nassau- Weilburg sowie Niedershausen und Obershausen zum oranischen Fürstentum Nassau-Diez.

Im Jahr 1806 wurde Nassau-Weilburg ein Teil des neugegründeten Herzogtums Nassau. Schlechter waren zu diesem Zeitpunkt die oranischen Teile nördlich der Lahn dran, die dem Großherzogtum Berg zugeschlagen wurden. Dieses Großherzogtum war ein bizarres Gebilde von Napoleons Gnaden. Es umfasste das rechtsrheinische Gebiet von der holländischen Grenze über das Bergische Land, das vormals nassauische Siegerland und über den Westerwald hinweg bis an die Löhnberger Hütte. Die Landeshauptstadt dieses Territoriums war Düsseldorf und dieser Staat wurde gemäß französischem Recht und französischer Verwaltungsstruktur regiert. Von 1813 – 1815 entstand noch einmal das Fürstentum Nassau-Oranien, dessen größter Teil im Jahr 1816 dem Herzogtum Nassau zugeordnet wurde. Das nassauische Siegerland wurde ein Teil der neuen preußischen Provinz Westfalen.

Das Herzogtum Nassau bestand bis zum Jahr 1866. Da das Herzogtum im preußisch/österreichischen Krieg von 1866 Bündnispartner von Österreich war und das Königreich Preußen diesen Krieg für sich entscheiden konnte, wurde Nassau von Preußen annektiert. Das ehemalige Herzogtum Nassau und das ehemalige Kurfürstentum Hessen (-Kassel) bildeten ab 1867 die preußische Provinz Hessen- Nassau.

Erwähnenswert ist noch, dass seit 1530 die Linie Nassau-Oranien die Monarchen des Königreiches der Niederlande stellt und seit 1890 die Luxemburger Großherzöge aus der Nassau-Weilburger Linie stammen. Es ist ein geschichtliches Paradoxon, dass der 1866 abgesetzte Herzog Adolf von Nassau 24 Jahre später aufgrund einer besonderen Erbfolge als Großherzog von Luxemburg in die europäische Monarchie zurückkehrte.

Nach diesem historischen Rückblick wollen wir uns nun die Biskirchener Grenzen etwas genauer ansehen.

Die solms-nassauische Grenze von 1493 – 1806

Im Jahr 1493 wurde die Grenze zwischen der Grafschaft Solms-Braunfels und den nassauischen Grafschaften erstmalig versteint. Dies war die Grenze zwischen Biskirchen (Solms-Braunfels) und den Nachbarorten Selters (Nassau-Weilburg), Löhnberg (Amt Löhnberg), Niedershausen (Nassau-Oranien) und Obershausen (Nassau-Oranien). Als Grenzsteine wurden überwiegend Basaltfindlinge verwandt. Diese Grenze verlief oftmals entlang des alten Grenzgrabens, der einige Jahrhunderte älter sein dürfte. Reste dieses Grenzgrabens sind noch heute in unseren Wäldern sichtbar.

Das Bild zeigt den preußisch/nassauischen Grenzstein mit der Nr. 137 an der Grenze zwischen Tiefenbach und Selters, gesetzt nach 1816, und daneben ein Basaltfindling von der Steinsetzung im Jahr 1493 entlang der Grenze zwischen den Grafschaften Solms-Braunfels und Nassau-Weilburg.


Nachdem Nassau-Weilburg im Jahr 1737 und Solms-Braunfels im Jahr 1742 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, erfolgte die zweite Steinsetzung entlang der Grenze. Die Steine erhielten keine Nummerierung und auf nassauischer Seite wurden die Buchstaben NW sowie auf preußischer Seite die Buchstaben SB eingraviert. Von diesen Steinen sind nur noch wenige vorhanden.

Der Grenzverlauf beginnt auf der Taunusseite am Dreimärker Tiefenbach/Biskirchen/Selters auf einer Höhe von ca. 260 m ü. NN. und geht dann ca. 900 m in nördlicher Richtung bis zur Lahn. Die Grenze zwischen Biskirchen und Selters verläuft dann ca. 800 m in nordwestlicher Richtung in der Lahnmitte. Die Höhe beträgt hier ca. 135 m ü. NN. Im Grenzbereich zwischen dem Biskirchener Karlssprudel und der Neu-Selters-Quelle - diese Unternehmen gab es natürlich noch nicht im Jahre 1493 - verlässt die Grenze die Lahn und überquert nach weiteren 150 m die heutige Lahntalbahn (seit 1862) und die ehemalige Landesstraße Löhnberg-Biskirchen. Wir befinden uns hier im Bereich der Hundsbach und folgen der Grenze weitere 500 m in nordwestlicher Richtung bis zum Dreimärker Biskirchen/Selters/Löhnberg, der sich heute in unmittelbarer Nähe der B 49 (seit 1972) befindet. Von diesem Dreimärker geht es ca. 300 m in nördlicher Richtung weiter bis zum Dreimärker Biskirchen/Löhnberg/Niedershausen. Die Grenze verläuft nun ca. 1 km in nördlicher Richtung durch den Lehnsgraben, verlässt dann den Graben und geht danach ca. 800 m steil bergauf zum Zinn-Berg auf ein Niveau von 300 m ü. NN. Sie folgt nun weitestgehend der Wasserscheide zwischen dem Kallen-Bach und dem Ulm-Bach in nordwestlicher Richtung. Nach ca. 2 km erreichen wir den Dreimärker Biskirchen-Niederhausen-Obershausen, westlich von dieser Wegstrecke befindet sich auf nassauischer Seite der Daberg und auf der anderen Seite im Tal das Hofgut Doberg. Vom Dreimärker aus gehen wir die letzte Etappe in Richtung Kreuzburg (411 m ü. NN). Nach einem relativ steilen Aufstieg erreichen wir nach ca. 500 m den Dreimärker Biskirchen/Obershausen/Allendorf. Hier befindet sich auch der höchste Punkt der Gemarkung Biskirchen mit einer Höhe von ca. 380 m ü. NN. Hier endet auch unser Grenzgang.

Die nassauisch-bergische Grenze zwischen 1806 und 1815

Die Ereignisse des Jahres 1806 stellten die bisherigen Grenzverhältnisse auf den Kopf. Die seit Jahrhunderten zu Solms-Braunfels gehörenden Dörfer Biskirchen, Bissenberg, Allendorf, Stockhausen und Tiefenbach waren nunmehr wie auch Selters und Löhnberg Teil des neu entstandenen Herzogtums Nassau und die vormals nassau-oranischen Orte Niedershausen und Obershausen gehörten ab diesem Zeitpunkt zum Großherzogtum Berg.

Die Territorialgrenze zwischen Nassau und Berg ging nun entlang der Grenze zwischen Löhnberg und Niedershausen bis zum Dreimärker Biskirchen/Löhnberg /Niedershausen in der Hunsbach und folgte dann der alten solms-nassauischen Grenze in nördlicher Richtung auf den Westerwald. Die Grenze zwischen Biskirchen und Selters bzw. Löhnberg war in diesen neun Jahren keine Landesgrenze mehr, sondern die Grenze zwischen den nassauischen Ämtern Greifenstein und Weilburg.

An dieser Grenze wurden auch neue Grenzsteine gesetzt. Einige Grenzsteine mit den Inschriften B (Berg) und NO (Nassau-Oranien) sind noch heute zwischen Löhnberg und Niedershausen vorhanden.

Nach dem Rückzug der französischen Truppen über den Rhein wurde das Großherzogtum Berg im Jahre 1813 wieder aufgelöst. Niedershausen und Obershausen gehörten danach noch einmal für zwei Jahre zum wieder erstandenen Fürstentum Nassau-Oranien. Im Jahre 1815 wurde dann Mitteleuropa auf dem Wiener Kongress neu geordnet und es wurde die politische Landkarte auch in unserer Region neu gezeichnet.

Die preußisch-nassauische Grenze zwischen 1816 und 1866

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft über große Teile von Europa tagte vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 in der österreichischen Hauptstadt der Wiener Kongress, auf dem die Repräsentanten der europäischen Staaten die Grenzen neu festlegten und auch neue Staaten entstanden.

Eindeutiger Gewinner dieser Verhandlungen war im deutschen Raum das Königreich Preußen, denn es erzielte im Westen erhebliche Gebietszuwächse und konnte somit die Rheinprovinz und die Provinz Westfalen errichten.

Das Herzogtum Nassau musste zwar einige Gebiete an Preußen abtreten, erhielt aber auch die restlichen nassau-oranischen Gebiete des Westerwaldes bis auf das Siegerland, welches preußisch wurde.

Die Mediatisierung von 1806 wurde nicht rückgängig gemacht. Aber der solms-braunfelsische Kammerrat Stephan erreichte als Gesandter auf dem Wiener Kongress, dass das ehemalige Fürstentum Solms-Braunfels aus dem Herzogtum Nassau gelöst und Teil des Königreichs Preußen wurde. Der Fürst zu Solms-Braunfels konnte zwar nicht mehr Landesherr werden, konnte aber bis zum Jahr 1848 seine Rechte als Standesherr erhalten. Dies bedeutete die Kontrolle über die Gerichtsbarkeit und das Polizeiwesen und er durfte auch weiterhin die Schultheißen, Pfarrer und Lehrer und alle anderen Beamten ernennen.

Da auch die ehemalige Reichsstadt Wetzlar, die von 1806 bis zum Jahr 1815 zum Großherzogtum Frankfurt gehörte, als auch das nassauische Amt Atzbach zu Preußen kamen, entstanden zunächst die beiden Kreise Braunfels und Wetzlar, die im Jahr 1822 zum Kreis Wetzlar zusammengeführt wurden. Dieser Kreis gehörte dann bis 1932 als Exklave zum Regierungsbezirk Koblenz der preußischen Rheinprovinz.

Dieser Grenzstein befindet sich noch heute in der Hundsbach am Dreimärker Biskirchen/Löhnberg/Niedershausen an der ehemaligen preußisch-nassauischen Grenze. Die Inschriften bedeuten: HN = Herzogtum Nassau, N 125 = laufende Nummer 125, GNH = Gemeinde Niedershausen und GLB = Gemeinde Löhnberg.


Die neue preußische Regierung in Koblenz ließ dann ab 1820 die alte solmsisch-nassauische Grenze neu vermessen und setzte dann auch insgesamt 264 neue Grenzsteine entlang der preußisch- nassauischen Grenze vom Dreimärker Nr. 1 bei Altenkirchen in der Nähe des heutigen Ahrtalsees entgegen dem Uhrzeigersinn über die Hörre, das Dilltal, den Westerwald, das Lahntal und den Taunus hinweg bis zum Dreimärker Nr. 264 bei Ebersgöns in der Nähe von Butzbach.

In der Gemarkung Biskirchen beginnt die Grenze mit der Nummer 114 am Dreimärker Biskirchen/Allendorf/Obershausen und endet am Dreimärker Biskirchen/Tiefenbach/Selters mit der Nummer 134. Die meisten dieser Grenzsteine sind heute noch vorhanden. Die Inschriften auf den Steinen kann zum Beispiel am Stein Nr. 134 erläutern. Auf preußischer Seite stehen dort die folgenden Inschriften:
KP = Königreich Preußen; GBK: Gemeinde Biskirchen; GTB: Gemeinde Tiefenbach; N. 134: laufende Nummer 134.
Auf nassauischer Seite sind die Inschriften wie folgt:
HN = Herzogtum Nassau; GST: Gemeinde Selters; N. 134: laufende Nummer 134.

Nachdem das Herzogtum Nassau im Jahr 1866 vom Königreich Preußen annektiert wurde, war diese Grenze keine Landesgrenze mehr, sondern bis 1932 nur noch die Grenze zwischen den preußischen Regierungsbezirken Koblenz und Wiesbaden. Von 1932 bis zum 30.06.1974 war sie die Kreisgrenze zwischen dem Kreis Wetzlar und dem Oberlahnkreis, vom 01.07.1974 bis zum 31.12.1976 war sie die Grenze zwischen dem Kreis Wetzlar und dem Kreis Limburg-Weilburg und seit dem 01.01.1977 ist sie bis heute die Grenze zwischen dem Lahn-Dill-Kreis und dem Kreis Limburg-Weilburg.

Die Grenze zwischen Nassau-Oranien und Nassau-Weilburg

Im Jahr 1773 kam das gemeinschaftliche nassauische Amt Löhnberg durch einen Gebietstausch zu Nassau-Weilburg. Somit verlief die neue Grenze zwischen Nassau-Oranien und Nassau-Weilburg vom Dreimärker Biskirchen/Löhnberg/Niedershausen in westlicher Richtung entlang der Gemarkungsgrenze zwischen Löhnberg und Niedershausen und weiter durch den Westerwald bis zum Dreimärker Merenberg/Lahr/Heckholzhausen, wo die Fürstentümer Nassau-Oranien, Nassau- Weilburg und die Grafschaft Wied-Runkel zusammenstießen.

Diese Grenze wurde in den Jahren 1772 und 1773 mit 125 Grenzsteinen in der Örtlichkeit vermarkt. Der Stein mit der Nr. 1 wurde am Dreimärker Biskirchen/Löhnberg/Niedershausen gesetzt. Heute befindet er sich neben anderen Grenzsteinen am Denkmal der Bischofskirche in Biskirchen.

Grenzstein mit der Inschrift ON (Oranien-Nassau): Er befindet sich heute in der Anlage
am Denkmal der Bischofskirche in Biskirchen und stand früher in unmittelbarer Nähe des KP/HN-Grenzsteines 125 in der Hundsbach. Dieser Stein war der erste Grenzpunkt an der Grenze zwischen NW (Nassau-Weilburg) und ON (Oranien-Nassau) und wurde im Jahr 1773 gesetzt.


Diese Grenze war von 1773 bis 1806 die Landesgrenze der Fürstentümer Nassau-Oranien und Nassau-Weilburg, ab 1806 die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Berg und von 1813 bis 1815 die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Fürstentum Nassau-Oranien. Nach der Vereinigung aller nassauischen Gebietsteile im Herzogtum Nassau im Jahr 1816 war diese Grenze keine Landesgrenze mehr, sondern nur noch Gemeindegrenze.

Ein Grenzstein von 1742 (NW = Nassau/Weilburg: auf der nicht sichtbaren Rückseite SB = Solms/Braunfels). Dieser Grenzstein trennte die Fürstentümer Nassau/Weilburg und Solms/Braunfels.
(Fotos: Gerd Mathes)

Die Grenze zwischen Solms-Braunfels und Solms-Greifenstein

Auch Biskirchen und Tiefenbach lagen zwischen 1602 und 1693 in zwei Staaten. Durch die solmsische Teilung im Jahr 1602 kam Biskirchen zur Grafschaft Solms-Greifenstein, während Tiefenbach bei Solms-Braunfels verblieb.

Auch diese Grenze wurde versteint. Sie begann am Dreimärker Biskirchen/Tiefenbach/Selters auf der Taunusseite und ging entlang der Grenze des Strauchwaldes zum Tiefenbacher Gemeindewald ca. 1,5 km entlang bis zur Lahn. Die Lahn war sodann die Grenze bis zur Grenze Stockhausen/Leun. Von dort ging die Grenze hoch bis zur Wasserscheide Zwischen dem Lahntal und dem Dilltal. Die Grenze endete in der Nähe der Grube Fortuna am Dreimärker Oberbiel/Berghausen/Altenberg.

Durch die Wiedervereinigung der Solmser Grafschaften im Jahr 1693 war diese Grenze dann keine Landesgrenze mehr.

Zusammenfassung

Über viele Jahrhunderte war Biskirchen solmsischer Grenzort gegenüber den verschiedenen nassauischen Grafschaften und Fürstentümern. Nach einem kurzen nassauischen Intermezzo (1806 – 1815) wurde Biskirchen preußisch und lag somit wieder an der Grenze. Die vier nassauischen Nachbarorte Selters, Löhnberg, Niedershausen und Obershausen waren ab 1816 alle im Herzogtum Nassau vereint.


Nach der Solmser Teilung im 17. Jahrhundert war Biskirchen auch Grenzort zu Tiefenbach.

Es ist sicherlich noch erwähnenswert, dass sich der gebürtige Biskirchener und langjährige Direktor des Hessischen Hauptstaatsarchives Dr. Otto Renkhoff (1905 – 1995) sich in seiner Dissertation im Jahr 1932 mit der Territorialgeschichte von Nassau-Oranien beschäftigte.

Wo es Grenzen gibt, gibt es auch häufig auch Streit zwischen den Nachbarn. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden befinden sich über 100 Akten zu Grenzauseinandersetzungen, insbesondere im Bereich Hundsbach. Es waren manchmal ernste Angelegenheiten, aber auch aus heutiger Sicht auch amüsante Geschichten, die uns die alten Akten erzählen.

An den Landesgrenzen wurde natürlich auch geschmuggelt. Neben Branntwein war es vor allem Salz, was bei Nacht und Nebel über die Grenze gebracht wurde. Salz war ein kostbares Gut, welches die Menschen käuflich erwerben mussten. Die Salzsteuer war aber in Preußen erheblich höher als in Nassau, sodass es einen illegalen Salzhandel von Nassau nach Preußen gab.

Unvergessen ist auch das historische Grenztreffen am 06.07.2002 in der Hundsbach. Dort trafen sich nach einer Sternwanderung Biskirchener, Selterser, Löhnberger und Niedershäuser, um gemeinsam zu feiern. Es erfolgte auch die Wiedereinsetzung eines historischen Grenzsteines der preußisch/nassauischen Grenze am Lehnsgraben, welcher bei der Flurbereinigung wiederentdeckt wurde.

Literaturverzeichnis

Die Geschichte des Kirchspiels Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen; Herausgeber: Magistrat der Stadt Leun, 1994.
Heimat im Lindelbachtal – Tiefenbacher Chronik; Herausgeber: Magistrat der Stadt Braunfels, 1996. Dr. Otto Renkhoff: Territorialgeschichte des Fürstentums Nassau-Dillenburg, Dissertation an der Philipps-Universität Marburg, 1932.

Matthias Diehl: Gedenkstätten und -steine in der Gemarkung Biskirchen, in Biskirchener Heimatkalender 1991; Herausgeber: HAK Biskirchen.
Wolfgang Schäfer: Die Grenze Lahr - Merenberg , eine nassauische Landesgrenze, Internet-Beitrag, 2008, Waldbrunn-Lahr.
Gemeinde Löhnberg: Geschichte von Löhnberg und seinen Ortsteilen, 2012, Internet-Beitrag, Löhnberg.
Gerd Mathes: Kleindenkmale schreiben Geschichte – Historische Grenzsteine in Hessen, Blickpunkt Hessen Nr. 13/2012; Herausgeber: Hessische Landesanstalt für politische Bildung, Wiesbaden.